Wir stellen Spieldaten der einzelnen Spieler grafisch dar, um zum einen die Charakteristik der Spielerpostion gruppiert in: Innenverteidigung, Außenverteidigung, offensives/defensives Mittelfeld und Offensive, optisch abzubilden und zum anderen die Stärke des Einzelspielers sichtbar zu machen und so fern es möglich ist typspezifisch zu quantifizieren.

Im Bild rechts ist ein Beispiel solch einer Darstellung gezeigt. Im Folgenden wollen wir im Einzelnen darauf eingehen, wie diese Grafik zu verstehen ist, wie und warum sie so gewählt wurde und wo die Grenzen der Interpretation liegen.

Zunächst werden wir die in Frage kommenden Spieldaten diskutieren und anschließend Spieler der verschiedenen Spielpositionen einzeln vergleichen. Hierzu betrachten wir markante und herausragende Spieler der letzten drei Jahre der Bundesliga als Referenzen. Abschließend vergleichen wir diese mit den besten Spielern der Borussia aus der Saison 17/18.

Spieldaten

Die Spielerdaten von Kicker.de, die wir hier in Betracht ziehen sind:

  • Laufleistung: Ll → 8km ~ 13km
  • Zweikampfquote: Zq → 30% ~ 80%
  • Foul gespielt: Fg → 0 ~ 4
  • gefoult worden: Fw → 0 ~ 4
  • Torvorlagen: Tv → 0 ~ 1
  • Scorer-Punkte: Sp → 0 ~ 1
  • Tore: To → 0 ~ 1
  • Torschüsse: Ts → 0 ~ 4
  • Passquote: Pq → 30% ~ 90%
  • Ballkontakte: Bk → 30 ~ 120

Angegeben sind die typischen Spannweiten der einzelnen Spieldaten. In Einzelfällen werden die Grenzen auch überschritten. Es ist dabei zu beachten, dass wir nicht die Daten eines Einzelspiels darstellen wollen, sondern die über eine Saison gemittelten. Deswegen sind die Grenzen, die wir wählen kleiner. Statt der Anzahl der Tore und Torvorlagen, nehmen wir die Anzahl der Scorerpunkte auf. Die Fluktuation der Tore und Torvorlagen alleine ist zu klein und würde in Summe die Offensive zu stark betonen.

Um eine vergleichbare Datenbasis zu haben, rechnen wir alle Daten, die sich in einem Spiel aufsumieren (Bk, Ll, Fg, Fw, Sp, Ts) auf 90 min Spielzeit um. Bei den Quoten (Zq, Pq) ist dies naturgemäß nicht nötig. Da es sich zum Teil um gänzlich unterschiedliche Datentypen handelt, bietet sich das Netzdiagramm zur Darstellung an. Die in diesem Diagrammtyp verwendeten Achsen bieten eine Freiheit zum einen in der Wahl des minimal und maximal dargestellten Wertes, zum anderen in der Anordnung der Achsen auf einem Kreis. Wie wir dies im Einzelnen konstruieren schauen wir uns in den nächsten Abschnitten an.


Netzdiagramme (ND)

Das Netzdiagramm besitzt so viele Achsen wie Daten, die man darstellen möchte. Jede Achse hat einen minimalen und einen maximalen Wert und eine feste Anzahl von Einteilungen, die für alle Achsen gleich sind. Diese Einteilungen verbindet man, so dass ein Spinnennetz entsteht. So entsteht eine Fläche, die die Spieldaten optisch in Form und Größe darstellt. Von innen nach außen ordnen wir alle Daten so an, dass außen die besseren Werte liegen und innen die schlechteren und schauen dass die Extremwerte den Großteil aller Spieldaten aller Spieler einschließen. So entsteht eine Fläche, deren Größe mit der Spielstärke korreliert.

Die Wahl der Skala von minimalem zu maximalem Wert der jeweiligen Spieldaten ist also wichtig für die Größe der Fläche und der Interpretation des Diagramms. Wir wählen eine Einteilung der Achsen in jeweils 6 Abschnitte in der folgenden Anordnung:

Daten min max
Bk 35 50 65 80 95 110
Zq 25 35 45 55 65 75
Fg 3 2.4 1.8 1.2 0.6 0
Fw 0 0.6 1.2 1.8 2.4 3
Sp 0 0.2 0.4 0.6 0.8 1
Ts 0 0.8 1.6 2.4 3.2 4
Ll 8 9 10 11 12 13
Pq 40 50 60 70 80 90

Diese Werte sind einerseits so gewählt, dass die einzelnen Daten der überwiegenden Mehrzahl der Spieler jeweils innerhalb des Minimums und Maximums liegen und andererseits aber einfache Zahlen verwendet werden, um die numerischen Werte aus den Diagrammen einfach ablesen zu können. Eine Besonderheit gibt es zu beachten. Alle Spieldaten, bis auf die Anzahl der begangenen Fouls (Fg) , sind besser desto größer ihr numerischer Wert ist. Bei der Anzahl begangener Fouls ist dies natürlich umgekehrt. Deswegen drehen wir die Skala bei den begangenen Fouls um und tragen außen den Bestwert Fg=0 ein und innen den schlechtesten Wert Fg=3.

Wir werden sehen, dass einige außergewöhnliche Spieler bei einzelnen Spieldaten außerhalb der gewählten Skala liegen. Dies ist dann ein Ausdruck ihrer großen Spielstärke, oder eben großem Defizit. Außer der Skala ist auch die Anordnung der Achsen wichtig. Wir haben die Achsen möglichst so angeordnet, dass ähnliche oder korrelierte Spieldaten beieinander liegen. Dies ist natürlich nur bis zu einem gewissen Grad möglich.

Die verschiedenen Grundpositionen: Innenverteidigung, Außenverteidigung, defensives/offensives Mittelfeld und Sturm werden durch ihre unterschiedlichen Anforderungen im Spiel durch qualitativ verschiedene ND repräsentiert. Für einen spezifischen Spielertyp ist die Größe der Fläche ein Maß für die Spielstärke auf der jeweiligen Position. Wir normieren die Fläche auf den Wert 100, wenn alle maximalen Werte angenommen werden. Für die Spieldaten Bk=110, Zq=75%, Fg =0, Fw=3, Sp=1, Ts=4, Ll=13km, Pq= 90% definiert dies eine Fläche mit dem Wert 100. Die Flächengröße nennen wir Index $I$. Ein Spieler mit diesem Index $I=100$ wird es in der Praxis nicht geben, obwohl für fast alle Spieldaten Spieler existieren, die außerhalb der Maximalwerte liegen, nicht aber in vielen oder allen. Rein theoretisch ist auch ein größerer Wert als $I=100$ möglich.

Für Torhüter machen die oben erhobenen Spieldaten keinen Sinn, deswegen lassen wir diese hier im Vergleich weg. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie ein typisches Netzdiagramm für einen sehr guten Spieler aussieht vergleichen wir für jeweils zwei bis drei charakteristische Spieler der Bundesliga die ND mit den besten Spielern der Borussia.



Innenverteidigung (IV)

Schauen wir uns zunächst die vermeintlich stärksten Innenverteidiger Hummels und Naldo der Saison 17/18 an, sowie die beiden stärksten Innenverteidiger der Borussia der letzten Jahre, Stranzl (14/15) und Christensen (16/17) und vergleichen diese mit den aktuell besten Innenverteidiger der Borussia Ginter und Vestergaard (17/18).

Tatsächlich sind sich die Diagramme von Naldo, Stranzl, Christensen, Vestergaard und Ginter von der Form her sehr ähnlich. Lediglich Naldo hat durch eine geringere Laufleistung eine Delle. Das ND von Hummels wäre auch sehr ähnlich, wenn da nicht die Ausbuchtung bei den Ballkontakten und die Delle bei den Scorerpunkten wäre. Dies ist aber sicher auch der Spielanlage der Bayern geschuldet und markiert eine Schwäche der ND für Einzelspieler, denn diese hängen auch von der Spielstruktur der gesammten Mannschaft ab.

Aus Sicht der Borussia ist erstaunlich, wie ähnlich sich die Diagramme von Christensen, Vestergaard und Ginter sind. Zudem hat Ginter den höchsten Innverteidiger-Index $I_{IV}=38$, besser als die Werte von Hummels und Naldo.


Außenverteidigung (AV)

Als Maß für die beste AV nehmen wir die Spieler Alaba und Kimmich aus der Saison 17/18 und vergleichen diese zum einen mit Jantschke aus der Favre-Saison 14/15 und der aktuellen Saison 17/18, sowie mit den beiden besten AV der Borussia Elvedi und Wendt der Saison 17/18.

Beeindruckend sind die Werte und das ND von Kimmich. Aber auch hier gilt ähnliches wie bei Hummels, einiges in dem Diagramm ist der Spielweise und der Qualität der Bayern geschuldet. Trotzdem sind die Werte deutlich besser als die von Alaba. Auch das Jantschke-ND aus der Saison 14/15 ist ein ordentliches Diagramm, es ist auf ähnlichem Niveau wie das von Alaba, bei defensiverer Gesamtausrichtung.

Verglichen mit diesen Diagrammen kommen die aktuellen Borussia-ND von Elvedi aber insbesondere von Jantschke und Wendt sehr bescheiden daher. Die bekannten Defizite von Jantschke sind deutlich visualisiert und man erkennt, dass Jantschke sich bis auf die Laufleistung überall verschlechtert hat.

Defensives Mittelfeld (DM)

Bei den defensiven Mittelfeldspielern wählen wir als Referenzen den klassisch defensiven Spielertyp Lars Bender (17/18) und den offensiv und gestalterischen Spielertyp Thiago (16/17). Zum Vergleich haben wir zwei Spielertypen mit tendenziell aggressiv kämpferischen Spielstil, der eine technischer Art, Keita (17/18), der andere gestalterischer Art, Xhaka (15/16), ausgewählt, sowie die beiden besten Sechser der Borussia der Saison, Kramer und Zakaria 17/18.

Der unterschiedliche Spielcharakter von Bender und Thiago ist sehr schön zu erkennen und bemerkenswert sind die hohen Index-Werte, insbesondere von Thiago mit $I_{DM}=50$. Eine gänzlich andere Art von defensiven Mittelfeldspielern repräsentieren Keita und Xhaka. Die ND beider Spieler sind sehr ähnlich und in beiden erkennt man die erwähnte kämpferische Natur. Beide sind in extrem vielen Zweikämpfen verwickelt, foulen selbst viel und werden aber auch im Gegenzug viel gefoult. Keita ist offensiv stärker, Xhaka in der Spielgestaltung. Beides ist in den ND ablesbar.

Schwächer sind die Daten der beiden Sechser der Borussia aus der Saison 17/18. Sowohl bei Kramer als auch bei Zakaria gibt es an verschiedenen Stellen Verbesserungsbedarf, wie aus den entsprechenden Vergleichen ersichtlich wird.

Offensives Mittelfeld (OM)

Kommen wir zum offensive Mittelfeld und wählen hier zwei absolute Referenzen, Ribery (16/17) und Robben (16/17). Der Vergleich wird etwas umfangreicher, da wir diese überragenden Werte mit dem aktuell potentiell besten Spieler auf der Außenbahn Bailey (17/18) vergleichen, sowie mit Robben (17/18). Des Weitern vergleichen wir dies mit der kompletten Außenbahn der Borussia 17/18.

Die beiden ersten Referenzen sprechen für sich und charakterisieren obendrein die beiden Spielertypen Ribery und Robben sehr gut. Sie sind Offensivspieler mit unterschiedlichen Stärken, haben aber dabei beide in der Saison 16/17 den überragenden Index $I_{OM}=56$. Diesen überragenden Wert kann Robben als auch Ribery in der Saison 17/18 nicht bestätigen. Der zum Teil groß aufspielende Bailey kommt ebenso nicht an diese Werte heran, ein Grund hierfür liegt sicherlich in der fehlenden Konstanz in seinen Spielen und der damit einhergehenden schlechteren Spieldaten.

Vergleichen wir obige ND mit den offensiven Außenbahnspieler der Borussia in der Saison 17/18. Hierbei ist zu beachten, dass zu Beginn der Saison viele Spieldaten der Borussen-Spieler noch deutlich besser waren und sich erst später in der Saison im Gesamtbild verschlechterten. Zunächst sehen alle ND der Borussen recht ähnlich aus, nur eben auf unterschiedlichem Niveau. Hazard hat dabei den durchaus guten Wert von $I_{OM}=39$, der nur etwas schlechter ist als der von Robben (17/18). Den schlechtesten Wert hat Herrmann mit $I_{OM}=22$. Allen Borussen-Spielern fehlt es an offensiver Qualität. Es sei erwähnt, dass Herrmann in seiner besten Saison (15/16) einen Index von $I_{OM}=45$ hatte! Hofmann mit $I_{OM}=32$ kommt insgesamt besser weg als erwartet.


Offensive (O)

Auch im Sturm wollen wir den Vergleich etwas ausdehnen und nehmen eine breit gestreute Referenz von Lewandowski (17/18), Werner (16/17), Dembele (16/17) und Modeste (16/17). Diese Vergleichen wir mit den besten Stürmer der Borussia der letzten Jahre Raffael (15/16, 17/18) und Stindl (16/17, 17/18).

Lewandowski sprengt wie zu erwarten war die Skala in Scorerpunkten und Torschüssen und erzielt einen überragenden Index von $I_{O}=49$ an den Werner mit $I_{O}=36$ nicht annähernd heran reicht. Vergleichen wir dies mit positiv auffälligen Stürmer der Saison 16/17, Modeste und Dembele. Modeste hat ein von der Form her sehr ähnliches ND wie Lewandowski, aber eben auf einem deutlich niedrigerem Niveau. Auch Dembele mit $I_{O}=42$ erreicht nicht den Wert von Lewandowski ist aber besser als Werner und Modeste.

Vergleichen wir dies mit den beiden besten Stürmer der Borussia. Zum einen Raffael mit seinem besten Jahr 15/16 und einem sehr guten Wert von $I_{O}=43$, dem er in dieser verletzungsgeplagten Saison 17/18 deutlich hinterherhinkt. Zum anderen mit Stindl aus der letzten Saison 16/17 und der aktuellen 17/18. Beide ND sehen sehr ähnlich aus, lediglich die Torflaute in der aktuellen Saison erzeugt eine kleine Delle und einen geringeren Index. Ansonsten spielt Stindl auf einem extrem ähnlichen Niveau.


Fazit

Die Netzdiagramme der Spielercharakteristik repräsentieren grafisch die Spielertypen und Stärken. Der Index $I$ gibt hier ein grobes Maß der gesamten Spielstärke an, wobei nur Spieler einer Kategorie verglichen werden sollten. Selbstverständlich unterliegt der kompletten Darstellung eine gewisse Willkür in Auswahl und Anordnung. Es hätten sicherlich auch andere Anordnungen gewählt werden können, dies hätte aber nur insgesamt die Grafiken für alle Spieler verändert, die Grafiken sähen anders aus, würden jedoch ebenso die Spielertypen charakterisieren. Bei der Auswahl der Skala ist tatsächlich nur ein kleiner Spielraum vorhanden, wenn die Maßgabe lautet, das mehr oder minder alle Spieler - bis auf Ausnahmen - in einer Skala unterzubringen sind. Die Festlegung der Skala hat dann über die Fläche auch einen direkten Bezug zum Index $I$. Dieser ist jedoch kleiner als vermutet, wenn die Maßgabe der Skala berücksichtigt wird.

Größer ist der Effekt, dass für die Berechnung einer Spielstärke nicht alle Spieldaten gleichermaßen wichtig sind und es Stärken von Spielern gibt, die sich nicht in den Spieldaten widerspiegeln. Insofern ist der Index $I$ eben nur ein Spieldaten-Index.

Es sei angemerkt, dass außer den hier gezeigten ND noch zahlreiche weitere in Betracht gezogen worden sind und in die Vergleiche eingingen. Am Ende der Saison wird der gesamte Prozess nochmals eingehend überprüft und gegebenenfalls nachjustiert bzw bei Bedarf auch weiterentwickelt.

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  • Zuletzt geändert: 2018/03/21 07:54
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